
Am Schulzentrum Bovenden gibt es seit 2007 Integrationsklassen. Derzeit gibt es drei Integrationsklassen an der Haupt- und Realschule (Klasse 10,9,8) und drei Integrationsklassen an der Integrierten Gesamtschule (Klasse 7,6,5), in denen Kinder mit Förderbedarf (Geistige Entwicklung, Lernen und Emotionale/ Soziale Entwicklung) gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden.
Das Klassenteam besteht gleichberechtigt aus Fachlehrern, Förderschullehrern, Klassenlehrern und, falls Kinder mit dem Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung" in der Klasse sein sollten, auch pädagogischen Mitarbeitern. Die Anzahl der Förderschullehrerstunden richtet sich derzeit nach dem festgestellten pädagogischen Förderbedarf des jeweiligen Kindes: So hat ein Kind mit dem Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung" Anspruch auf fünf Stunden durch eine Förderschullehrkraft pro Woche und zusätzlich fünf Stunden Unterstützung durch einen Pädagogischen Mitarbeiter, einem Kind mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" stehen drei Stunden Unterricht durch eine Förderschullehrkraft pro Woche zu; diese Kinder erhalten keine Unterstützung durch Pädagogische Mitarbeiter.
Das Klassenteam wird häufig durch Schulbegleiter unterstützt. Am Schulzentrum Bovenden arbeiten momentan 13 Schulbegleiter. Diese betreuen sowohl Kinder in Integrationsklassen vormittags und nachmittags als auch Kinder in regulären Schulklassen, in denen zum Beispiel Kinder mit der Diagnose "Asperger Autismus" sind. Mittlerweile gibt es am Schulzentrum Bovenden einen kompetenten Pool an Schulbegleitern. So können wir die Eltern bei der Suche nach einem Schulbegleiter unterstützen und Mitarbeiter anbieten, die mit dem System unseres Schulzentrums vertraut sind und so die Kinder optimal begleiten.
Zwei Mal im Jahr oder nach Absprache mit den Schulbegleitern finden "Schulbegleitertreffen" statt. Hier wird über die Arbeit mit den Kindern gesprochen, über Arbeitsbedingungen an der Schule: Was könnte noch verbessert werden? Welche Materialien brauchen wir? Die Ergebnisse werden der Schulleitung mitgeteilt, die die Wünsche der Mitarbeiter in der Integration sehr ernst nimmt und nach Möglichkeiten der Unterstützung sucht.
Bei der Einrichtung einer Integrationsklasse werden derzeit vier Kinder mit Förderbedarf neu aufgenommen. Es hat sich gezeigt, dass im Laufe des Schuljahres häufig Kinder nachgetestet werden müssen. Sollte dann Förderbedarf festgestellt werden, kann das Kind an unsere Schule verbleiben und in einer Integrationsklasse unterrichtet werden, ohne dass die Klassenstärke überschritten wird. Dies bedeutet, dass wir bei der Klassenbildung einen bzw. zwei Plätze "freihalten", damit ein "nachgetestetes" Kind am Schulzentrum Bovenden verbleiben kann.
Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder eingehen und differenzierte Lernangebote arrangieren zu können, verfügen die Integrationsklassen über einen kleinen zusätzlichen Unterrichtsraum. Dieser wird gelegentlich auch von Kindern ohne Förderschwerpunkt genutzt, welche dort spezielles Fordermaterial erhalten. So empfinden alle Kinder diesen Raum als "ihren" Raum und als Chance dort etwas Besonderes zu lernen.
Der Unterricht in der Klasse wird mit der Förderlehrschulkraft vorbereitet. In wöchentlich stattfindenden Teamsitzungen werden pädagogische Gespräche geführt, aktuelle Problematiken besprochen und Klasseninterna ( Ausflüge, Klassenfahrten usw.) geregelt. An diesen Teamsitzungen nehmen - wenn möglich - alle in der Klasse tätigen Personen teil.
Die gute Besetzung mit kompetentem Fachpersonal in den Integrationsklassen ist für alle Klassenmitglieder von Vorteil, da die Schüler mehr erwachsene Ansprechpartner haben. Sie erfahren mehr Zuwendung und Unterstützung. So können sie lernen Toleranz und Akzeptanz zu entwickeln. Unsere Arbeit in den Integrationsklassen verläuft bisher erfolgreich. So konnten wir in mehreren Fällen den Förderbedarf erst probeweise und dann vollständig aufheben. Ziel ist es, dass Schüler, deren Förderbedarf aufgehoben worden ist, den Hauptschulabschluss erreichen.
Alle Schüler des Schulzentrums Bovenden profitieren von den Integrationsklassen: Sie lernen die Vielfältigkeit der Gesellschaft kennen, das "normale" Miteinander aller Menschen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen, das in jedem Betrieb, in jeder Organisation ... vorzufinden ist und das alle dazu verpflichtet, tolerant miteinander umzugehen. Wir setzen uns dafür ein, dass dies eine Selbstverständlichkeit für jeden ist/wird.
Unser Integrationskonzept wird regelmäßig überarbeitet und soll in Richtung eines inklusiven Schulsystems weiterentwickelt werden.