
Sie verkaufen Schulhefte, Häppchen oder T-Shirts. Sie arbeiten wie richtige Betriebe – mit Businessplan, Werbung und Kassenführung. Zum ersten Mal haben sich Schülerfirmen aus Südniedersachsen auf einer Messe in Göttingen vorgestellt. Das Konzept gilt als „Bildungspolitischer Exportschlager“.
Göttingen (us). Bisher hat das Team vom Käthe-Catering die Theater-AG, ein Umweltbildungszentrum oder auch Elternversammlungen mit Kuchen und Snacks beliefert. Jetzt finden die Teigtaschen und Muffins der Käthe-Kollwitz-Schüler reißenden Absatz in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) – Ort der ersten Schülerfirmen-Messe. Ein paar Stände weiter wirbt „Mc Stiftl“ von der KGS für Büroartikel und Shirts mit Schul-Logo, El Magazino von der Bovender Osterberg-Schule bietet Jugendzeitschriften an. Gibt es im Betrieb auch mal Stress? „Nicht, wenn alle ihre Aufgaben erfüllen“, sagt Senthoran Jegarajasingahem von Käthe-Catering.
Mehr als 250 Schülerfirmen gibt es in Niedersachsen, knapp 50 im Raum Göttingen. Hier sei neben dem Bezirk Weser-Ems eine zweite Hochburg entstanden, sagt Ronald Geyer, Schülerfirmen-Multiplikator im Auftrag des Landes. Sie entstehen vor allem an Haupt- und Förderschulen, meist ab Klasse 8. Von der Idee über Werbung, Einkauf, Produktion bis zum Verkauf arbeiten die Schüler weitgehend selbstständig. Ihr Einsatz wird als Berufs-Praktikum anerkannt.
Durch den hohen Praxisbezug könnten auch schwierigere Jugendliche oft wieder fürs Lernen motiviert werden. „Da erlebe ich viele ganz anders“, sagt KGS-Lehrerin Ulrike Piper. Und die Schüler entwickeln ungewöhnliche Ideen: Holzbiber aus Wittingen zum Beispiel produziert Brennholz aus alten Paletten. Sport & More von den BBS I in Northeim organisiert Sport- und Kulturveranstaltungen. Begleitet wurde die Messe von Vorträgen – auch von Praktikern aus der freien Wirtschaft.